Kurze Gewebelehre: Bradytrophes Gewebe

Von bradytrophen Geweben spricht man, wenn ein Gewebe über einen langsamen Stoffwechsel verfügt und damit einhergehend die Regenerationsfähigkeit stark herabgesetzt ist. Gewebe dieser Art ernährt sich allein durch Diffusion von Nährstoffen und Sauerstoff aus der umgebenden Körperfüssigkeit. Das bradytrophe Gewebe besitzt keine/ oder nur eine gering ausgeprägte Gefäßversorgung (Vaskularisation).

Zum bradytrophen Gewebe zählen:
– Sehnen
– Bänder
– Knorpel
– Bandscheiben
– Ect.

Die fehlende Gefäßversorgung führt zu teilweise sehr langen Adaptionsphasen (Monate bis Jahre), woraus sich eine schlechte Regenerations- und Heilungsfähigkeit dieser Gewebe ergibt.

Praxis-Beispiel: Arthrose
Arthrose ist eine degenerative chronisch verlaufender Zerstörungsprozess einer oder mehrerer Gelenke. Mit am häufigsten sind degenerative arthrotische Erkrankungen der Wirbelsäule sowie der Knie- und Hüftgelenke.
Gründe für die Entstehung von Arthrose:
– Überlastungen: Gelenkfehlstellungen, Instabilitäten, Übergewicht…
– Traumen: Frakturen, Luxationen
– Entzündliche Gelenkprozesse/ Stoffwechselerkrankungen
– ect.
Unabhängig von der Ursache ist das Resultat bei einer Arthroseentstehung immer ein Knorpelschaden.

Vor allem Hyaliner Knorpel, welcher in Form von Gelenkknorpel die Gelenkflächen überzieht und damit eine wichtige Rolle für den Trainierenden spielt, da hier große Bewegungskräfte kompensiert werden müssen, leidet auf Dauer bei schlechten Bewegungsausführungen oder schädlichen Krafteinwirkungen. „Bei chronischer Überlastung des Gelenkknorpels durch sportliche Belastungen (…) oder aufgrund altersbedingter degenerativer Veränderungen kann es zur Ausbildung einer Arthrose kommen.“ [1]

Hyaliner Knorpel zählt zu bradytrophen Geweben, d.h.:
– Hyaliner Knorpel besitzt keine, keine nervale/lymphatische Versorgung
– Ernährung nur über Synoviaflüssigkeit, die durch Diffusion und mechanische Stoffkonvektion den Knorpel erreicht , d.h. beim Knorpel erfolgt die Ernährung/ der Abtransport von Stoffwechselschlacken (Laktat) nur im Rahmen von Wechseldruckbelastungen, d.h dass der Heilungsprozess durch sanfte bzw. moderate Bewegungsübungen unterstützt werden muss [2]

Allgemein gilt für bradytrophes, genauso wie für alle andere Gewebsarten, dass die unterschiedlich langen Adaptionsphasen in der Trainingsplanung eines jeden Trainierenden immer im Auge behalten werden müssen und eine gute Stoffwechselsituation durch entsprechend gesunde Ernährungsweise, funktionelles Training und eine gesunde Lebensweise bei ausreichenden Regenerationsphasen gewährleistet werden sollte.
So kann der Mensch nachhaltig von den Fähigkeiten des Körpers und der generell hohen Strapazierfähigkeit seiner körperlichen Strukturen bis ins hohe Alter Gebrauch machen und ein erfülltes, uneingeschränktes Leben führen!
In diesem Sinne….
Auf ins Training,
Felix
[1] WEINECK Sportanatomie18. Auflage Spitta Verlag, S.35
[2] vgl. REIß/ ALBERS ( DEUTSCHE HOCHSCHULE FÜR PRÄVENTION UND GESUNDHEITSMANAGENT) Trainingslehre 1

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